Buch-Rezension: ‚BREATH – ATEM. Neues Wissen über die vergessene Kunst des Atmens‘ von James Nestor

gebundene Ausgabe von 'Breath' von James Nestor

Beginnen wir mit einer kleinen Übung: Schließe deine Augen für einen Moment und beobachte deinen Atem. Wie atmest du? Wie atmest du ein…und wie aus? Wo fließt dein Atem hin? Was bewegt sich, während du atmest? Öffne dann die Augen wieder. Und? Was hast du alles wahrgenommen? Wie hat sich das angefühlt?

Der Atem! Macht angeblich jung und schlank, sofern man ihn korrekt praktiziert. WAS? SCHLANK? Ja, da habe ich auch gestaunt, als ich das gelesen habe. Er ist wohl das wichtigste Element für Jugendlichkeit, Gesundheit und Wohlbefinden. Viele Menschen haben verlernt, richtig zu atmen.

James Nestor war selbst lange geplagt von Lungen- und Nebenhöhlenentzündungen. Als Journalist und leidenschaftlicher Taucher wollte er der Sache mit dem Atmen auf den Grund gehen und nimmt uns mit auf eine lange, spannende Reise an viele verschiedene Orte, zu vielen verschiedenen Atem-Spezialisten.

Spätestens seit meiner Ausbildung zu Yogalehrerin, praktiziere ich verschiedene Atemtechniken und weiß, wie positiv und förderlich eine richtige Atmung in vielen Situationen wirken kann. Doch beim Lesen dieses Buches habe ich viele Aha- oder besser gesagt Oha-Momente. Man glaubt es kaum, wie sich die Atmung mit der Evolution und der industriell verarbeiteten Nahrung verschlechtert hat, oder wie abhängig unsere komplexen Körpersysteme vom richtigen Atmen sind. Verrückt, wie viele Forschungen es gibt, von denen man noch nicht weiß.

Der Autor nimmt selbst an einem medizinischen Experiment teil, das sich in zwei Phasen gliedert: Zuerst meistert er 20 Tage lang seinen Alltag mit zugestöpselter Nase, danach atmet er wieder ganz normal. Zu Beginn und zwischen den Phasen werden verschiedene Messungen wie z.B. der Blutgase, Entzündungsmarker und Lungenfunktion getestet, um zu sehen ob und was sich im Körper verändert hat, wenn man nur durch den Mund atmet. Die Ergebnisse sprechen für sich.

Breath‘ gliedert sich in vier Teile: Im ersten beschreibt er das Experiment, gefolgt von den wissenschaftlichen Recherchen und Erkenntnissen aus zahlreichen Gesprächen mit Wissenschaftlern, Ärzten, Nasenchirurgen, einer Gebissforscherin und einem Apnoetaucher (um nur einige zu nennen). Es folgen Atmen+, in dem Nestor sein Erlernen extremer Atemtechniken und deren Auswirkung auf Körper und Nervensystem beschreibt und ein Epilog, in dem James Nestor seine wichtigsten Erkenntnissen nochmal in Kürze zusammenfasst. In einem Anhang finden sich bewährte Atemtechniken und ein Link zu seinen Video- und Audio-Tutorials.

Die Erkenntnisse, die ich aus diesem Buch schöpfen kann, sind vielfältig. So weiß ich nun beispielsweise, dass die Mundatmung neben den Atemwegen auch den gesamten Organismus unfassbar negativ verändern. Im schlimmsten Falle kann das Blut das Gewebe nicht mehr ordentlich mit Sauerstoff versorgen, was zu Herzproblemen, Depressionen, Vergesslichkeit führen kann.

‚Breath – Atem. Neues Wissen über die vergessene Kunst des Atmens‘ von James Nestor kannst du dir hier (nachhaltig) besorgen.

Warum die richtige Atmung eine Kunst ist

Unser Körper ist ein Kunstwerk für sich, ein komplexes System, dessen ‚Einzelteile‘ unfassbar miteinander arbeiten und voneinander abhängig sind.

[…] und wie dieser Körper Luft einzieht, verarbeitet und Energie aus ihr gewinnt und diese Luft unser Gehirn, die Knochen, das Blut, die Blase oder andere Organe beeinflusst… das alles zu verstehen […] ist noch einmal um einiges schwieriger.

James Nestor: ‚Breath‘, S. 249

Hast du deinen Atem schon mal so genau wahrgenommen, dass du dir bewusst darüber warst, was ein einziges Ein- und Ausatmen in deinem Körper alles auslöst, bewirkt? Welche Abläufe dadurch gesteuert werden, welche voneinander abhängig sind und wie sie davon abhängig sind, ob du richtig atmest oder nicht? Warum du so atmest, wie du atmest? Verrückte Fragen, was?! Krass finde ich, dass es sehr stark von unserer Atmung abhängt, wie wir uns psychische und physisch fühlen und dass alles noch viel komplexer ist, als ich dachte.

Die Informationen, die James Nestor zusammenträgt erscheinen logisch, die Zusammenhänge, die er mittels Beispielen verdeutlicht, werden klar. Blutdruck, Stress, Herz-Kreislauf, Gehirnleistung, Atemwege – (fast) alles steht und fällt mit der richtigen Atmung, die sehr komplex erscheint.

„[…] der wichtigste Aspekt des Atmens bestand nicht darin, durch die Nase Luft einzuziehen. Das Einatmen war das Einfachste. Der Schlüssel zur Atmung, die Lungenerweiterung und das lange Leben, das sie bewirkte, lag am anderen Ende des Atemvorgangs, in der verwandelnden Kraft eines vollen Ausatmens.“

James Nestor: „Breath“, S.84.

So etwas in der Art habe ich beim Schwimmen, während des Sportstudium und später wieder beim Langstreckentraining gelernt. Wer Sport betreibt kommt um die richtige Atmung nicht herum. Die Einatemzyklen sind kürzer als die des Ausatmens. Was das bringt? Eine größere Lungenkapazität!Diese ist nicht nur für Sportler sehr förderlich, sondern auch für jeden, der gerne alt werden möchte.

[…] der sicherste Indikator für die Lebenserwartung ist tatsächlich nicht, wie oft vermutet, die Gene, die Ernährung oder die tägliche Bewegung waren, sondern die Lungenkapazität.

James Nestor: ‚Breath‘, S. 79 f.

Um viel Luft aufzunehmen benötigt man auch die entsprechend große Lungenkapazität. Es nutzt nichts, viel Luft einzuatmen, wenn man sie nicht auch unterbringen kann. Schon mit Spaziergängen, Radfahren oder aber mit Hilfe der Fünf Tibeter ist es jedoch möglich, sie zu erweitern.

Wie atmet man denn richtig?

Die Quintessenz aus Nestors Studien und Erkenntnissen setzt sich zusammen aus:

  • Mache deinen Mund zu.
  • Atme durch die Nase.
  • Atme die verbrauchte Luft komplett aus, bevor du neue einatmest.
  • Kaue kräftig auf harten Sachen.
  • Praktiziere die vollkommene Atmung: 5,5 Sekunden lang ein, 5,5 Sekunden lang aus.
  • Mache verschiedene Atemübungen und die fünf Tibeter zu deiner Gewohnheit.

Ich hab die Nase voll!

Meine Lieblingsbeschäftigung nach dem Umzug (siehe Hintergrund)

Im wahrsten Sinne des Wortes! In der zweiten Jahreshälfte von 2017 war meine Nase derart verstopft, dass nichts mehr ging. Die Stirn- und Nasennebenhöhlen waren wegen Überfüllung geschlossen. Die Worte meines HNO-Arztes, nachdem ich sechs Wochen lang Stammgast in seiner Praxis war, lauteten: „Sie waren mit Abstand mein krassester Fall!“ Täglich hatten wir ein Date zum Inhalieren, Infrarot-Tanken, Absaugen und und und. Zum Abschluss schenkte ich ihm eine Superman-Christbaumkugel – die fand ich irgendwie passend. Das waren wirklich sechs harte Wochen, in denen ich oft Panik hatte, zu ersticken.

Während ich James Nestors Selbstversuch lese, das mit einer erzwungenen Mundatmung beginnt, fühle ich mich genau in meine Situation 2017 zurückversetzt. Freiwillig würde ich das nicht nochmal wollen! James Nestor lässt sich für 20 Tage lang die Nase zustöpseln und wird bei seinen alltäglichen Tätigkeiten über einen Pulsoximeter, Kameras etc. überwacht, um die Experiment-Phasen auswerten zu können.

„Das digitale Display zeigt, was es schon an den vergangenen Tagen gezeigt hat: Mundatmung ist schlecht für die Gesundheit.“

James Nestor: ‚Breath‘, S.43

Atemübungen für dein Wohlbefinden

Während ich so lese, atme ich ganz bewusst durch die Nase ein, habe die Lippen geschlossen und spüre, wo sich mein Gaumen befindet. James Nestor bezieht, und das gefällt mir als Yogalehrerin besonders, auch die alten indischen, spirituellen Rituale und Überlieferungen in sein Werk mit ein. So schreibt er vom Shiva Svarodaya und von der Funktion und der Wirkung beider Nasenlöcher und ich denke intuitiv an die Wechselatmung. BINGO!

Obwohl ich diese und andere Atemübungen auch vor meiner Verstopfung häufig praktiziert habe, bin ich mir sicher, dass mein Leiden psychischer Natur war. Meine Nase war voll! vom Leben, das ich die beiden Jahre davor mit einem Egomanen/Egozentriker verbracht hatte. Schlussstrich, Schikanen und dann musste meine Psyche erst mal alles über den Körper raushauen, was ging. Seitdem glaube ich an den wahren Kern in Sprichwörtern.

Im Anhang werden Atemtechniken und deren jeweilige Wirkung beschrieben. Ich habe mir diese herausgepickt, die ich für besonders einfach und effektiv erachte und die auch für Anfänger praktikabel sind. Wenn du darauf klickst, dann kannst du diese Technik gleich mal trainieren.

  • Kurzes Luftanhalten der Buteyko-Atmung, mit dem Ziel, insgesamt weniger zu atmen. Laut Forscher und Praktizierender würden dadurch Asthmaanfälle und Angstattaken abgewendet.
  • Durch die Nase summen, mit dem Ziel, mehr Stickoxid freizusetzen, welches die „Kapillaren erweitert, die Sauerstoffversorgung verbessert und die glatten Muskelfasern entspannt.“ (James Nestor: Breath, S. 259) -> Atme einfach ganz entspannt durch die Nase und summe ein schönes Lied. Oder praktiziere Bhramari.
  • Yogaatmung in drei Stufen
  • Kastenatmung, mit dem Ziel, in stressigen Situationen ruhig und konzentriert zu bleiben.

Fazit: ‚Breath‘ fasziniert mich sehr und liefert mir tiefgründiges Hintergrundwissen, das ich in meinem (Trainings-)Alltag gut brauchen kann

BREATH – ATEM ist eine sehr gelungene und mitreißende wissenschaftliche, kulturelle und auch spirituelle Zusammenfassung über die Atmung, wie wir atmen und warum wir das oft falsch tun. Die vielen Fallbeispiele, fundierten Recherchen und vor allem sein Selbstversuch faszinieren mich sofort.

Während meines Sportstudiums, nein eigentlich schon bei meinem Schwimmtraining als Kind, habe ich gelernt, mit meinem Atem zu arbeiten, ihn gezielt einzusetzen, um voranzukommen. Weiter ging bei mir mit Atemtechniken während meiner Ausbildung zur Yogalehrerin. Deshalb waren mir einige Dinge, die im Buch genannt werden nicht ganz unbekannt, einige neue, super interessante erfahre ich durch dieses Buch.

Wenn man (wie ich) Sport studiert hat, Physiologie und Trainingslehre mag, einen medizinischen oder therapeutischen Beruf ausübt, sich mächtig für dieses Thema interessiert oder das Atmen ein persönliches Problem darstellt, so ist dieses Buch eine tatsächliche Bereicherung, da es einige Aspekte genauer beleuchtet, manche in Verbindung bringt, die man vielleicht noch gar nicht kannte. Ich persönlich mag das sehr, dieses tiefere Verständnis für unsere körperlichen Funktionen und Zusammenhänge.

Hiermit kann ich auch meinen Kursteilnehmerinnen und Kundinnen einen besonderen Mehrwert bieten. Die meisten von ihnen sind sich ihres Atmens häufig nicht bewusst. Und ehrlich gesagt, bekomme ich während des Schreibens dieser Rezension richtig Bock darauf, ‚gute Atmung‘ beizubringen, vielleicht auch digital in meinen Kursen. (Ich google nebenbei schon nach Fortbildungen 😅.)

Da es sich hierbei um einen Gesundheits-Ratgeber für ein ganz spezielles Thema handelt, spricht dieses Buch wahrscheinlich erst einmal eine bestimmte Zielgruppe an. Für viele geht es wahrscheinlich mit dem facettenreichen Input zu sehr in die Tiefe. James Nestor schreibt sehr ausführlich, dies jedoch mit viel Humor und guten Beispielen, sodass man zwischendurch herzlich schmunzeln muss.

Kleiner Tipp zum Schluss: Lies es! Trotzdem! Du wirst nie wieder atmen wie bisher.

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